CVD Diamant:
Allgemeine Infos


Gasphasenabscheidung



CVD diamond window (2" diam.)

Diamant mit seinen herausragenden Eigenschaften hat schon immer eine große Faszination auf die Menschheit ausgeübt. Mit der Entwicklung der Hochdrucksynthese in den fünziger Jahren gewannen die technischen Anwendungen von Diamant zunehmend an Bedeutung. Die mit der Hochdrucksynthese hergestellten Diamantkristalle sind allerdings von beschränkter Größe und für viele wichtige optische, thermische und elektronische Anwendungen zu klein. Erst durch die Entdeckung der Gasphasenabscheidung (engl. chemical vapour deposition) in den achtziger Jahren wurde Diamant in größeren Abmessungen, insbesondere in der Form dünner Schichten und freitragender Scheiben bzw. Fenster  verfügbar. Die Abscheidung aus der Gasphase erlaubt eine gezielte Dotierung des Diamantkristalls, wodurch er zu einem p-typ Halbleitermaterial wird. Mit der Gasphasenabscheidung von Diamant eröffnet sich eine Vielzahl neuartiger Anwendungsmöglichkeiten. 



Diamantabscheidung aus der Gasphase

Das grundlegende Problem der Diamantsynthese besteht in der allotropen Natur des Kohlenstoffs: unter Normalbedingungen ist Graphit und nicht Diamant die thermodynamisch stabilere kristalline Phase des Kohlenstoffs. Die Kunst der Gasphasenabscheidung besteht darin, Kohlenstoff abzuscheiden und gleichzeitig die Bildung graphitischer sp2-Bindungen zu unterdrücken. Um dies zu erreichen, erzeugt man hohe Konzentrationen an atomarem Wasserstoff. Die Wasserstoffatome stabilisieren das Diamantwachstum indem sie Doppelbindungen aufbrechen und Nicht-Diamant-Kohlenstoffphasen selektiv wegätzen. 
Derartige Wachstumsbedingungen werden erzeugt, indem man dem Prozeßgas große Mengen an Wasserstoff beimischt, und das Gas thermisch oder durch ein Plasma aktiviert. 



Diamantkeime, wie sie zu Beginn des Schichtwachstums gebildet werden



Oberflächenmorphologie einer polykristallinen Diamantschicht

 

  Ein wesentliches Merkmal der Gasphasenabscheidung von Diamant ist somit der extreme Nichtgleichgewichtszustand der Gasphase, d.h. eine starke Übersättigung mit atomarem Wasserstoff und reaktiven Kohlenwasserstoffradikalen.  Typische Prozeßbedingungen sind: 
Prozeßgas: 1 % Methan in Wasserstoff
Wachstumstemperatur: 700-1000°C
Gasdruck: 30-300 Torr.

Die verschiedenen Verfahren der Gasphasenabscheidung von Diamant unterscheiden sich im wesentlichen durch die Art der Gasaktivierung. Die am häufigsten verwendeten Verfahren sind a) Glühdraht-CVD (thermische Aktivierung des Gases durch einen heißen Wolframdraht), b) Mikrowellen-Plasma-CVD, c) Flammenabscheidung mit einem Acetylen/Sauerstoff-Brenner, und d) Plasmastrahl-CVD. 
Jedes dieser Verfahren hat seine Vor- und Nachteile. Unterscheidungsmerkmale sind vor allem die Abscheiderate, die Abscheidefläche und die Schichtqualität. Die höchste Abscheiderate, die bislang erzielt wurde, beträgt 1 mm/h. Derartige hohe Raten sind allerdings auf sehr kleine Flächen begrenzt (« 1 cm2). Im allgemeinen besteht ein inverser Zusammenhang zwischen Schichtqualität und Abscheiderate: je niedriger die Abscheiderate, desto besser die kristalline Qualität und die Phasenreinheit der Diamantschicht. Optisch transparente Schichten/Scheiben erfordern in der Regel Abscheideraten unterhalb 10 µm/h, unabhängig von dem verwendeten Abscheideverfahren.

 
         

   

 © 2004
Fraunhofer IAF

 

 Home